75 Tage – Hormonersatztherapie

Die Zeit rennt in dieser Zeit der Pandemie irgendwie wahnsinnig schnell.

Im Dezember 2020 hatte ich endlich einen Termin in einer Endokornologischen Praxis hier in Heidelberg ergattert. Das Indikationschrieben der Psychotherapeutin bekam ich auch noch rechtzeitig. Mein Hausarzt schaffte es auch noch eine Überweisung auszustellen was den angenehmen Nebeneffekt hatte das er mich auch gleich noch mit einer Grippschutzimpfung bei abholen der Überweisung versorgte.

Kurz vor Weihnachten war ich also bei einer Endokonologin hier in Heidelberg zum erst Gespräch – es gab ein kurzes Anamenesegesräpch Vorerkrankungen, Rauchen etc. was eben so nötig ist um eine Einschätzung einer Patientin vorzunehmen, Aufklärung zur HRT Behandlung Nebenwirkungen, Krebsrisiko das ganze Programm. Ich wurde durchweg als Frau Roth angesprochen was sehr angenehm war und meinem sonstigen Alltag entspricht aber im Gesundheitswesen steht eben noch überall der falsche Name.

Nach dem Gespräch ging es dann zu Blutabnahme die Ergebnisse etc. sollten ein Weilchen dauern sie wolle mir dann Rezepte zu senden.

Also kurzes zwischen Warten bis ich zur Blutabnahme kam. Gefühlt wird in der Praxis am wie am Fließband Blut abgenommen. Hat aber einen Vorteil dass ich so wenig gespürt habe wie noch nie. Außerdem wurde mir noch nie so viel Blut abgenommen.

So damit war dann erstmal alles geschehen, ich ging nach hause und war erst mal ganz glücklich den ersten Schritt in Richtung Hormone genommen zu haben.

So dann hieß es warten, kurz vor Jahreswechsel hatte ich dann schon ein Brief der Endokronologin im Briefkasten. Ich war etwas euphorisch es befand sich auch schon ein Rezept im Briefumschlag. Leider Leider aber nicht für Hormone bei der ganzen Blutuntersuchung hat sie mir einen Vitamin D Mangel mit sekundärem Hyperparathyreoidismus diagnostiziert. Das diese ab sofort 1x Wöchentlich 20000IE Vitamin D – dafür war auch das Rezept ansonsten war auch alles in Ordnung.

Im Arzt Brief stand auch schon die Medikation für HRT allerdings war die Chormosomenbestimmung noch nicht fertig deshalb kein Rezept.

Nerdig wie ich bin, habe ich natürlich gleich ein Spreadsheet in Numbers angelegt um Blutwerte und sonstige Körpermaße in Ordentlicher Datenqualität zu haben.

Im Dezember war ich also nun auf Östrodiol (E2) 20 ng/l und Testo bei 5,1 µg/l

Mitte Januar war dann endlich auch mal die Chromosomen Analyse fertig die ergab Karyotyp 46,XY nur leider war ein neues Quartal also war kein Rezept im Umschlag ich musste erst zur Praxis latschen dort Rezept ausstellen lassen dann bin ich wieder Nachhause in die Apotheke direkt um die ecke die musste natürlich Bestellen aber immerhin war es dann bis zum Abend auch schon da. Und dann saß ich da ganz alleine weil wir hatten da ja Pandemie und vor meinem erstmal. Irgendwie hatte ich mir das irgendwie alles Romantischer, Spannder und … ausgemalt aber war dann doch so ein typisches erstes Mal.

Ansonsten bewegte sich erstmal nicht viel also wöchentliches Messen erstmal auf Monatliches Runter reduzieren 🙂

Alles was sich änderte das ich meine Raumtemperatur in meiner Smarthome-Thrmostat-App heimlich von 20° auf 21° herauf gedreht hatte mir war und ist ständig Kalt während ich manchmal Nachts aufwache und komplett durch geschwitzt bin.

Eines Morgens, viel zu spät auf gestanden im Bad, am fertig machen, weil gleich erstes Meeting und man muss ja in der Videokonferenz nach was aussehen.

Ich also schnell schnell BH mit Prothesen an und umzieh und in dem Moment fühlt sich meine Brust an als ob jemand mit einer Reibe über die Nippel gehen würde so einen krassen Schmerz habe ich noch nie empfunden die gesamte Brust war ultra empfindlich wie ich es noch nie erlebt hatte.

Am Abend dachte ich dann gut Idee mal zu Messen und siehe da der Brustumfang war um knapp 1cm gewachsen während ich ansonsten nicht zugenommen hatte.

Nun war ich bei der ersten Kontrolle Untersuchung 2,5 Monate nach Hormone 3 Monate nach letzter Blutabnahme – und nun ja was soll ich sagen die Werte jetzt: Östrodiol (E2) 29 ng/l und Testo bei 0,1 µg/l, also wie die Ärztin so schön im Bericht schrieb:

Östradiolwert im unteren weiblichen Normbereich, […] Testosteron ist erwünscht niedrig

aus Artztbrief

Nach dem die Blutwerte ansonsten alle Top sind bin ich weiterhin auf Vitamin D und von 2mg Estrifam jetzt auf 4mg Estrifam am Tag und weiterhin 10mg Adrocur

Außerdem hat sich in den letzten 2 Wochen irgendwie auch ein anderer Geruch eingestellt bzw. habe ich oft das Gefühl das ich anders rieche insbesondere nach dem laufen und mein Urin. Außerdem bewundere ich manchmal mein verhalten wie ich das bei manch einem Teenager tue. Ich hoffe das nimmt nicht ganz so viel überhand zur Zeit ist das eher amüsant.

Ansonsten wurde mir gespiegelt das ich etwas mehr rede als früher und offner bin dass schiebe ich aber auch auf das allgemeine wohlbefinden wobei das wahrscheinlich auch wieder was mit der HRT zu tun hat.

Ich werde von Zeit zur kleinen Beitrag Posten

HRT Counter von der @anderenanna:
Aktuell sind es
79 Tage HRT

HI!

Hallo,
heute ist ein Tag gekommen, an dem ich von einer kleineren Veränderung berichten muss!

Dazu einen kleinen Ausflug in meinem Leben.

Ich wuchs als ganz normaler Junge auf einem ganz normalen kleinen Dorf auf. Ich wurde wohlgehütet zu damaligen Zeiten in diesem Dorf ungewöhnlich alleinerziehend großgezogen. Ich wurde modern und einigermaßen geschlechtsneutral erzogen. Das änderte sich natürlich durch einen evangelischen Kindergarten und einen sehr dörflich geprägten Umgang. Ich liebte immer Technik und Puppen.

In der Pubertät und auf einer kleinen Schule mit einem Durchschnittsalter der Lehrkräfte um die 50 genoss ich einen nicht sehr aufklärerischen Unterricht. Irgendwann kam der Tag, an dem wir eine sehr junge Biologielehrerin hatten. Sie hatte wohl vom Kollegium die undankbare Aufgabe bekommen, den Sexualunterricht zu geben und hier hörte ich das erste Mal den Begriff Transsexualität und wusste fast schlagartig, was mit mir los ist. Und gleichzeitig gab es in der Klasse eine hämische, abwertende, hasserfüllende und diskriminierende Reaktion, so dass mir klar war: ich darf niemandem davon erzählen -ich muss ein richtiger MANN werden.

So gingen die Jahre in das Land. Ich machte, was Männer machen müssen: Studieren, Abschlüsse, Arbeiten, geile Projekte, der Geilste sein, drei Tage Bart tragen, hart sein. All das fühlte sich irgendwie nie richtig an aber Alternativen gab es auch nicht. Aber mir ging es nie wirklich gut – vor fünf Jahren fand ich wieder zurück und ich fand zurück zu meiner so schön verdrängten und verschlossenen Geschichte – und ich tauchte das erste Mal in die theoretische Welt des Geschlechtes ein und war mir nicht sicher, was ich bin, lernte neue Dinge, kaufte mir mein erstes Kleid, meinen ersten Rock, den ersten BH und mehr und mehr wurde ich mehr ich und irgendwann hatte ich mich gefunden: ich war Anna.

Und dann fing es eigentlich erst richtig an – bin ich wirklich richtig – Zweifel – oft ging es mir schlecht – wusste nicht weiter – war mir unsicher – konnte nicht darüber sprechen – zu viel Ballast war noch da – es war ein harter Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist aber auf deiner Konferenz am Empfang zu stehen und das erste Mal als das angesprochen zu werden, was ich bin, eine Frau, und das richtig beschriftete. Badge in die Hand zu bekommen, das ist einer der großen Momente. Und ich war mir endlich klar: Ich bin Anna. Ich bin eine Frau. Ich bin transident (anderer bzw. meiner Meinung nach besserer Begriff für Transsexualität)

Heute ist der Tag, an dem kann und will ich nicht weiter jemanden spielen, der ich gar nicht bin, sondern ich will ehrlich zu Euch und mir sein und so will ich mich nicht länger verstecken: ab heute bin ich Anna.

was sich ab sofort ändert

  • Mein Name: Anna Roth
  • Meine Anrede: Frau
  • Mein Pronomen: sie / ihrer / ihr / sie
  • Meine Toielettentüre: Damen


Wenn Ihr Fragen habt, dann fragt mich gerne. Wenn ihr mich nicht direkt fragen wollt, könnt ihr auch einfach unter curiouscat.me/andereAnna anonym eure Fragen reintippen. Ich werde sie beantworten oder sagen, dass ich es nicht beantworten will.

Für ganz viel mehr Infos gibt es eine schöne Seite und zwar diese hier:
Das Geschlecht sitzt nicht zwischen den Beinen.

Anna auf dem Barcamp Rhein-Neckar