Am 20. Juni 2026 war die Heidelpride und damit die vierte Pride Parade durch die Stadt. Was mal mit einer kleinen Gruppe und einem Bollerwagen durch die Stadt begann, ist mittlerweile eine Parade, an der 300 Menschen teilnehmen und die eine bunte Demonstration durch die Stadt zeigt.
Auf der Abschlusskundgebung habe ich einen Redebeitrag gehalten. Mir ist wichtig, die aktuelle Lage der trans* Rechte öffentlich zu verbalisieren, denn die Lage ist ernst. Deshalb hier nochmals meinen Redebeitrag zum Nachlesen:
Hallo,
ich bin Anna, eine biologische trans Frau,
die außerdem lesbisch und pan ist.
Ich spreche heute für die DGTI-Beratungsstelle hier in Heidelberg und für den Rhein-Neckar-Kreis.
Wir beraten hier wöchentlich ehrenamptlich trans, inter und nicht-binäre Menschen zu allen möglichen Themen.
Das meiste bezieht sich allerdings, dank Selbstbestimmungsgesetz, nur noch auf die medizinische Transition.
Und genau hier sind wir bei einer der größten Baustellen für trans Menschen mit dem Wunsch nach medizinischen Maßnahmen zur Transition.
Denn dank eines Gerichtsurteils des Bundessozialgerichts und dem Nichtstun der letzten und der jetzigen Regierung gibt es quasi keinen Rechtsanspruch mehr auf medizinische Maßnahmen.
Das führt dazu, dass es immer häufiger zu Ablehnungen von Behandlungen und Kostenübernahmen kommt.
Wie wichtig medizinische Maßnahmen sind, zeigen unzählige Studien der letzten Jahrzehnte.
Und die Untätigkeit der Bundesgesundheitsministerin Warken führt zu unendlichem Leid, zu Suiziden und zu unnötigen gerichtlichen Auseinandersetzungen.
Deshalb fordern wir:
Nehmen Sie die Versorgung von trans Menschen gemäß der aktuellen S3-Leitlinie in das Fünfte Sozialgesetzbuch auf und beenden Sie damit die Rechtsunsicherheit bei Kassen, Ärzt*innen und Patient*innen!
Des Weiteren hilft es nicht, dass gerade die missbräuchliche Nutzung des Selbstbestimmungsgesetzes durch einen verurteilten Rechtsextremen dazu genutzt wird, das Selbstbestimmungsgesetz zu verschärfen.
Und unter dem Vorwand strengerer Prüfung die Wiedereinführung der Begutachtung aus der Vergangenheit zu fordern.
Diese Begutachtungen waren für Betroffene extrem belastend und nach Aussage der meisten Gutachter völlig sinnbefreit.
Deshalb fordern wir Sie auf, liebe Politiker*innen aller Parteien: Hände weg vom Selbstbestimmungsgesetz!
Befreien Sie das Gesetz ganz im Gegenteil von unnützen Inhalten,
wie dem Hinweis, dass das Gesetz „keine“ Auswirkung auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und das Hausrecht hat,
oder der Nichtanwendung bei trans Frauen im Spannungsfall.
Und zum Schluss, lieber Bundesinnenminister:
Wir brauchen kein Melderegister, in dem man trans Menschen mit einem Mausklick selektieren kann!
Es muss auch kein Sachbearbeiter nach der Namensänderung wissen, dass es eine Namensänderung gegeben hat!
Und falls das Ihr kühner Traum ist: Es braucht auch keinen Hinweis im Personal- oder Reisepass, der sagt das ich trans oder cis bin. Wir haben 40 Jahre Namensänderung ohne diese Informationen im Melderegister hinter uns, und es gibt keine Fälle von Missbrauch der Namensänderung.
Also beenden Sie Ihre Bemühungen, solche Einträge per Verordnung oder Gesetz zu erreichen.
Und liebes Innenministerium Baden-Württemberg:
Auch wenn Sie es still und heimlich versucht haben, wir haben es gemerkt, und wir fordern Sie hier laut auf:
Nehmen Sie die Verordnung zurück und führen Sie keine automatische Weitergabe von Daten bei Anwendung des Selbstbestimmungsgesetzes an Polizeibehörden ein!
Liebe alle, wie ihr seht, sind wir als trans, inter und nichtbinäre Menschen überhaupt nicht mehr in der Forderung nach mehr Rechten, sondern nur noch in der Verteidigung unserer schwer erkämpften Rechte.
Bitte beachtet, das waren hier nur die größten Brände in unserer Community, es gibt noch so viel mehr zu tun!
Ich bitte euch alle:
Steht an unserer Seite!
Viele von uns können nicht unsichtbar in der Masse mitschwimmen.
Die meisten von uns sind ihr Leben lang auf Medikamente und medizinische Hilfe angewiesen!
Wir haben Angst!
Danke!